Das Gasthaus
Die einzige halbwegs intakte Struktur im Dorf. Aus dem Kamin steigt eine dünne Rauchfahne auf. Das Innere ist sauber, fast unberührt vom Verfall draußen. Ein Feuer knistert im Kamin, es ist warm und riecht nach Eintopf.
Genre: Düsterer Horror/Thriller, Mystery System: System-neutral, kann leicht für D&D, Cthulhu, oder andere Rollenspiele angepasst werden. Skill-Checks werden allgemein beschrieben. Spieleranzahl: 2-4 Charaktere Dauer: ca. 3-4 Stunden
Ein unerwartet dichter, unnatürlich kalter Nebel zieht auf und macht Karten und Kompasse unbrauchbar. Nach Stunden, in denen ihr im Kreis gelaufen zu sein scheint, lichtet er sich plötzlich und gibt den Blick auf ein kleines, heruntergekommenes Dorf in einem Talkessel frei. Auf eurer Karte ist hier kein Dorf verzeichnet. Ein verwittertes, halb zerbrochenes Schild am Ortseingang ist kaum noch leserlich: BERNSTEDT.
Ihr betretet das Dorf. Die Atmosphäre ist drückend und von Trauer erfüllt. Im Gasthaus empfängt euch ein blasser Wirt mit leeren Augen und einem Lächeln. Drinnen ist es warm, ein Feuer knistert, es riecht nach Eintopf.
Mit der Dämmerung verändert sich die Stimmung. Draußen fällt ein leiser Regen, obwohl der Himmel klar ist. Dann beginnt in den Ruinen eine alte Kirchenglocke zu läuten.
Ihr müsst aus dem Gasthaus fliehen und einen Weg aus dem Dorf finden. Draußen brennt und flutet Bernstedt.
Schemenhafte Flammen züngeln aus den Ruinen, der ausgetrocknete Fluss füllt sich mit schwarzem Wasser, und der Mob der Dorfbewohner jagt euch.
Der einzige Weg aus dem Dorf führt über die alte, morsche Brücke.
Auf der anderen Seite der Brücke ist der Spuk vorbei. Im Mondlicht liegen nur noch kalte, stille Ruinen. Und in den Trümmern der Kirche glitzert etwas.
Die einzige halbwegs intakte Struktur im Dorf. Aus dem Kamin steigt eine dünne Rauchfahne auf. Das Innere ist sauber, fast unberührt vom Verfall draußen. Ein Feuer knistert im Kamin, es ist warm und riecht nach Eintopf.
Eine alte, morsche Brücke über den Fluss am Dorfrand. Sie wankt schon, wenn man sie nur ansieht. Es ist der einzige Weg aus dem Talkessel.
Die ausgebrannte Kirche des Dorfes. Die Türen sind geschmolzen, das Dach ist eingestürzt, verkohlte Balken liegen kreuz und quer. In den Resten des Turms hängt noch eine alte, rostige Glocke.
Ein kleines Dorf in einem Talkessel am Fuße der Berge, auf keiner Karte verzeichnet. Eine Ansammlung von Ruinen: Verkohlte Balken ragen in den Himmel, Mauern sind eingestürzt, und alles ist mit einer Schicht aus Asche und getrocknetem Schlamm bedeckt. Es herrscht eine unheimliche Stille, die nur vom Wind gebrochen wird, der durch die leeren Fensterhöhlen pfeift.
In der Asche sind keine Tierspuren. Es riecht nach nassem Holz, kaltem Rauch und schwach metallisch, wie altes Blut. Es gibt keine Gräber, keinen Friedhof. Ein ausgetrockneter Flusslauf zieht sich durch das Dorf.
Bernstedt von Falk
Bernstedt war eine sehr kleine Gemeinde
Die kaum jemand kennt, eben bloß irgendeine
Am Fuße der Berge und weit weg vom Meer
Da geht keiner hin und kommt kaum einer her
Eines Tages zu Pfingsten, ein sonniger Tag
Da stiegen zwei Wanderer nach Bernstedt hinab
Sie baten um einen Platz für die Nacht
Und im Gasthaus wurd' ihnen ein Zimmer gemacht
Sie erzählten von Goldklumpen, die sie entdeckten
Als sie sich wegen drohendem Regen versteckten
In einer Felsspalte unweit dem Orte
Da lauschte man auf beim Klang ihrer Worte
Als die Wanderer ruhten wollt man sich beraten
Man traf sich beim Schmied, im Schuppen, im Garten
Es wurd' kaum diskutiert, man entschied recht gelassen
Die Wanderer dürften das Dorf nicht verlassen
Dann hätt' man die Quelle für sich und es kämen
Auch keine Gestalten, die's ihnen wegnähmen
Das wäre am besten, wenn auch gegen's Recht
Alternativ teilen befand man für schlecht
Nur die Tochter des Pfarrers entsetzte sich laut
Hatte sie das doch keinem im Dorf zugetraut
Doch weil selbst ihr Vater den Plan tolerierte
Lachte man bloß als sie schrill demonstrierte
Und so packte man Fackeln und Mistgabeln ein
Die Wanderer erwachten von jener Art Schreien
Wie's ein wütender Mob kann seit ewigen Zeiten
Auch wenn sie das hinterher gerne bestreiten
Die Wanderer waren erst verblüfft, aber dann
Erkannten sie doch die Gefahr, es begann
Ein recht kurzer Kampf, der schnell war vorbei
Man befragte sie lange und man schlug sie dabei
Sie flehten um Gnade, verrieten den Platz
Wo die Goldader lag, jener tragische Schatz
Der sie gestern noch freute und doch, wie es kam
Ihnen schon heute das Leben nahm
Ihre Leiber hat man dann mit Beilen zerhackt
Und die Reste in Säcke des Müllers gepackt
Die hat man verschnürt und dann schnell und beflissen
Am Fuße der Brücke ins Flussbett geschmissen
Die Regeln fürs Goldholen waren streng konzipiert
Dass keiner aus Habgier die Nerven verliert
Zwei Leichen reichen, man wollte ja nie
Eine Eskalation oder gar Anarchie
Die Wehmut der Tochter des Pfarrers war groß
Sie kriegte die Bilder des Grauens nicht los
Und sie entschloß sich das Dorf zu verlassen
Zum Glück hat man sie dann auch gehen lassen
Ein paar Wochen später fiel prasselnder Regen
Und hörte nicht auf sich auf Bernstedt zu legen
Es blitzte, es tobte, es donnerte, krachte
Und es war ein Blitz, der die Scheune entfachte
Die Flammen waren schnell und der Fluss trat bald über
Man suchte die Flucht, doch man kam nicht hinüber
Die Komposition aus Wasser und Glut
Wütete teuflisch und forderte Blut
Das Firmament färbte sich dunkel und rot
Es floh in die Kirche in bitterster Not
Wer nicht vorher ersoffen war oder verbrannte
Doch es gab keinen Ort, der das Unheil verbannte
Bald hatten die Flammen die Kirche erreicht
Es schmolzen die Türen, sie hatten es leicht
Einen jeden zu finden, es gab kein Versteck
Und so schnell wie es kam war das Unwetter weg
Wo einst Häuser standen war Asche geblieben
Ein paar Körper die leblos den Fluss abwärts trieben
Verbrannt und verglüht, erstickt und ersoffen
Es hatte am Ende noch jeden getroffen
Viel später kam doch noch die Tochter zurück
Ensetzt wie sie war, sah sie spät erst ihr Glück
Denn mitten in Trümmern und wenig verkohlt
Lagen noch immer die Berge von Gold.
Bernstedt war eine sehr kleine Gemeinde
Die kaum jemand kennt, eben bloß irgendeine
Am Fuße der Berge und weit weg vom Meer
Da geht keiner mehr hin und kommt keiner mehr her